Oslo – Bibliotheken
Große Bibliotheken in Oslo
Auf dieser Seite werden die folgenden Bibliotheken in Oslo vorgestellt:
Die Nationalbibliothek
Die Bibliothek der Universität Stockholm befand sich ursprünglich im Domus Bibliotheca auf dem Campus an der Karl Johans Gate. Sie hatte zugleich auch die Funktion der Nationalbibliothek inne. 1913 wurde an der Henrik Ibsen Gate (am Solli plass) ein eigenes, größeres Gebäude für die Universitätsbibliothek errichtet.
1999 schließlich entstand auf dem Campus Blindern im Stadtteil Nordre Aker ein neues großes Gebäude für die Universitätsbibliothek. Das Bestandsgebäude am Solli plass von 1913 ist seitdem ausschließlich Nationalbibliothek und auch die Institutionen „Nationalbibliothek“ und „Universitätsbibliothek“ wurden dabei getrennt. 2005 wurde das Gebäude umfassend saniert. Im Haus gibt es einen Museumsshop und ein Café im ersten Obergeschoss (Café Credo).
Auf der Website der Uni-Blibliothek der Universität Oslo kann man zur Nationalbibliothek, der früheren Universitätsbibliothek das Folgende lesen:
„Neobarocke Architektur – Die Bibliothek in Solli plass wurde 1913 nach Plänen des Architekten Holger Sinding-Larsen fertiggestellt. Er war auch Bauinspektor an der Universität Oslo. Sinding-Larsen war einer der bedeutendsten norwegischen Architekten seiner Zeit und fest etabliert in einem klar nationalen Stil, der von mittelalterlicher Architektur und internationalem Neobarock beeinflusst war.
Kunst – Das Vorderhaus und der westliche Magazintrakt bildeten den ersten Bauabschnitt. 1933 wurde er um einen Bürotrakt erweitert, der an den NMagazintrakt angrenzte. 1939 wurde mit dem Ostflügel und dem großen Lesesaal begonnen.
Die beeindruckende Eingangshalle und das Treppenhaus sind mit der feinsten norwegischen Kunst der damaligen Zeit geschmückt. Die Kronleuchter und Deckengemälde im Saal wurden von Emanuel Vigeland angefertigt. Die Fresken Yggdrasil und Die Neue Erde im Treppenhaus wurden von Axel Revold ausgeführt, während Per Krohg Ragnarök ausführte.“
Bilder oben: die norwegische Nationalbibliothek in Oslo.
Bilder oben: Frontfassade der Nationalbibliothek und Treppenhaus.
Bilder oben: Eingangsbereich der Nationalbibliothek, Wandgemälde im Treppenhaus.
Bilder oben: Überdachter Innenhof des Gebäudekomplexes: an die Seitenflügel des Gebäudes der Nationalbibliothek schließt sich das Gebäude an, in dem der norwegische Sprachenrat seinen Sitz hat.
Die neue Universitätsbibliothek (Campus Blindern), 1999
Die Bibliothek der Universität Stockholm befand sich ursprünglich im Domus Bibliotheca auf dem Campus an der Karl Johans Gate. Sie hatte zugleich auch die Funktion der Nationalbibliothek inne. 1913 wurde an der Henrik Ibsen Gate (am Solli plass) ein eigenes, größeres Gebäude für die Universitätsbibliothek errichtet.
1999 schließlich entstand auf dem Campus Blindern im Stadtteil Nordre Aker ein neues großes Gebäude für die Universitätsbibliothek. Das Bestandsgebäude am Solli plass von 1913 ist seitdem ausschließlich Nationalbibliothek und auch die Institutionen „Nationalbibliothek“ und „Universitätsbibliothek“ wurden dabei getrennt. Das monumentale Bibliotheksgebäude auf dem Campus Blindern wurde nach dem ersten Bibliotheksleiter benannt (Georg Sverdrups hus).
Das Haus umfasst folgende Bibliotheksbereiche: die Bibliothek für Geistes- und Sozialwissenschaften, die Fachbibliothek Rechtswissenschaften, die Medizinische Bibliothek und die Wissenschaftsbibliothek.
Der Entwurf zum Gebäude stammt vom Architekturbüro Telje-Torp-Aasen Arkitektkontor A.S (heute: LMR). Auf dem Campus stellt das Haus eine Verbindung her zwischen älteren und neueren Gebäuden. Im Gebäude untergebracht sind auch Büros, die Verwaltung, Vortrags- und Lehrsäle und eine Kantine. Der Bau bildet eine Achse, beginnend an der U-Bahn-Station Blindern und zieht sich durch die Parklandschaft des Campus; dabei öffnet sich das Gebäude mit einer konkav gekrümmten Kupfer-/Glas-Fassade zum Park hin, auf der abgewandten Seite besteht die Fassade aus schwarzem, poliertem Naturstein (Labradorstein). Über den Haupteingang gelangt man in die zentrale 15 Meter hohe Lobby.

Bilder oben: das Georg Sverdrups hus, die neue Universitätsbibliothek auf dem Unicampus Blindern; hier der nördliche Eingang. Hier befindet sich auch das Café „Georg“.

Bilder oben: der Haupteingang befindet sich in der Mitte der konkav gekrümmten Fassade im Westen. Letztes Bild: die Gebäuderückseite (im Osten)
Bilder oben: Gebäudedetails: Fassade und Haupteingang / Fenster mit Sonnenschutz.
Die neue Zentral-Bibliothek (Deichmanske Bibliotek Bjørvika), 2020
Detaillierte Informationen und Pläne zur Geometrie des sehr komplex gestalteten Gebäudes und tolle Fotos findet man auf der Website des ausführenden Architekturbüros lundhagem.no.

Bild oben: die neue Zentral-Bibliothek im Abendlicht.
2020 eröffnete das neue Gebäude der Osloer Hauptbibliothek im Stadtteil Bjørvika in direkter Nachbarschaft zur Oper. Die Bibliothek als Institution geht zurück auf das Vermächtnis des Industriellen Carl Deichman, der seine private Bibliothek nach seinem Tod (1705) der Stadt Oslo (damals Christiana) übertrug. 1875 wurde die Bibliothek schließlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die Benutzung war unentgeltlich. Später wurde der Bibliotheksbestand mit anderen Beständen in einem eigenen Gebäude im Stadtteil Grünerløkka zusammengeführt. 1933 entstand ein neues Bibliotheksgebäude im neoklassizistischen Stil in Hammersborg. Die Deichmann-Bibliothek besaß dann auch ein großes Filialnetz in der ganzen Stadt.
Die jetzige neue Hauptfiliale wurde von den Architekturbüros Lund Hagem Arkitekter und Atelier Oslo entworfen und gebaut. Beim bereits 2006 ausgeschriebenen Wettbewerb bestand die Aufgabe u.a. darin, dass das neue Haus weder vom benachbarten Operngebäude überstrahlt werden noch dieses in den (architektonischen) Schatten stellen sollte. Der nun realisierte Entwurf (Bauarbeiten von 2014 bis 2020) hat ähnliche skulpturale Qualitäten wie das spektakuläre Opernhaus von Snøhetta.
So entstand auf kleiner Grundfläche viel nutzbare Geschossfläche durch eine fast 20 Meter auskragende Gebäudeecke im Westen; unter diesem Überhang (in dem sich ein großer, abgetreppter Lesesaal befindet), entstand eine große Plaza, welche vielseitig genutzt werden kann.
Zum Bild: die Fassade des Gebäudes ist doppelt ausgebildet; hier an der Dronning Eufemias gate kann man die vorgehängten Glas- bzw. Kunststoffpaneele gut erkennen.

Bilder oben: die neue Zentralbibliothek Deichmanske Bibliotek Bjørvika befindet sich in an der Operagata, gegenüber vom neuen Opernhaus. Charakteristisch für den komplex geformten Bau ist die weit auskragende Gebäudeecke; auf dem Erdgeschoss oben gibt es eine Restaurant-Terrasse.

Bilder oben: im Gebäudeinneren bildet die Auskragung eine gestufte Rampe, auf der Arbeitsplatzinseln untergebracht sind. Die Auskragung hängt von der Statik her an der gefalteten Stahlbetondecke, weswegen der gesamte Raum ohne Stützen auskommt.
Bilder oben: Baudetails: durch GFK-Elemente der Fassade und eine dreifache Isolierverglasung erreicht das Gebäude Passivhaus-Standard.
Bilder oben: Haupteingang und Eingangsbereich an der Dronning Eufemias Gate.


Bilder oben: Blick auf das Bibliotheksgebäude von der Oper aus.
Bilder oben: das Bibliotheksgebäude bei nächtlicher Beleuchtung.
Bilder oben: die oberen Stockwerke können über Aufzüge und Rolltreppen erreicht werden; im obersten Geschoss gibt es eine begrünte Wand und im Erdgeschoss einen Kinderspielbereich.
Das Atrium des Gebäudes zieht sich über alle fünf Hauptetagen hin und bildet einen komplex geformten Innenraum mit diagonal verlaufenden Lichtschächten, die Tageslicht in die Halle und die verschiedenen Stockwerke gelangen lassen. Mit einer Doppel-Fassade aus Glas und einem zum Teil opaken Kunststoff-Recyclat erlangt das Gebäude energetisch den Passivhausstandard.
Die recht verwinkelte Architektur schafft im Haus behagliche Leseecken und Arbeitsbereiche. Im Haus, das als Präsenzbibliothek für die 450 000 Bücher konzipiert ist, kann man aber nicht nur Bücher ausleihen und lesen, sondern auch arbeiten, sich mit Freunden treffen, die Cafeteria oder das Restaurant besuchen oder auf der Dachterrasse den Ausblick auf den Oslofjord genießen. Außerdem gibt es hier ein Kino, einen Bibliotheks-Laden, Tagungsräume, Coworking Spaces und verschiedene Werkstätten. Nachbargebäude auf dem Baufeld sind eine Studentenwohnanlage und Bürobauten. Im Gebäude können sich bis zu 3 Tausend Menschen gleichzeitig aufhalten; im Jahr rechnet man mit ca. 2 Millionen Besucher/innen.
Bilder oben: das Atrium des Gebäudes zieht sich schräg durch die Stockwerke; es entstehen überall behagliche Arbeitsbereiche und Leseecken.
Im Erdgeschoss gibt es eine große Kunstinstallation von Lars Ø. Ramberg („BRAINSTORM“); auf der Website der Deichmann-Bibliothek kann man zu dieser Etage und dem Exponat das Folgende lesen:
„(…) Hier ist viel Leben und Bewegung! Hier finden Sie die Information, die Sammelregale und die Ausleihautomaten. Wenn Sie möchten, können Sie einen Rundgang durch unser Restaurant oder Café machen, einen Blick in den Deichman-Laden werfen oder mit einem Kaffee ins Zwischengeschoss fahren, um Zeitungen und Zeitschriften zu lesen.
Das Kunstwerk BRAINSTORM von Lars Ø. Ramberg ist ein energiegeladenes Geflecht aus leuchtenden Neonröhren, die zwischen Decke und Boden schweben. Ein Bild der heutigen Technologie, in der Licht zum Senden und Empfangen von Informationen verwendet wird. Deichman als Treffpunkt für Wissen und Information wird durch das Kunstwerk verdeutlicht und verstärkt.“
Bilder oben: die Neonröhren-Installation „Brainstorm“ von Lars Ø. Ramberg in der Lobby der Bibliothek und das Modell des Elternhauses von Künstler Kristian Nygård.
Im Eingangsbereich der Bibliothek gibt es noch eine weitere Kunstinstallation: der Künstler Kristian Nygård hat ein Modell seines Elternhauses hergestellt. Auf der Website der Bibliothek kann man dazu das Folgende lesen:
„ ‚Adaptation‘ ist ein handgemachtes Downscaling des Elternhauses des Künstlers Per Kristian Nygård. Häuser wie diese gab es auch als Bausätze, sie wurden standardisiert und in Massenproduktion hergestellt. In dieser Version wird alles von Hand gefertigt. Nygård hat sorgfältig Türen, Fenster und Verkleidungen für das Haus entworfen und 2.000 Dachziegel von Hand gegossen. Hier kann das Haus nicht als Haus genutzt werden, was seinen ästhetischen Wert unterstreicht. Darüber hinaus erforderte die ‚Anpassung‘ viel Zeit und Mühe. Während der Funktionalismus ein Trend in der Architektur war, der Rentabilität und Effizienz in den Vordergrund stellte, stellt das Kunstwerk die Wohnungspolitik auf den Kopf, indem es Unrentabilität und Langsamkeit fördert.“ (…)

Im Atriumsbereich hängt ein großes Vorhang-artiges Textilgewebe; dabei handelt es sich um eine Installation von Aurora Passoro; auf der Bibliotheks-Website kann man dazu Folgendes lesen:
„Am Anfang von ‚Fan Their Hearts, Inflame Them More‘ sind die Fäden in traditioneller Leinwandbindung gewebt – der einfachsten Form der Bindung auf einem Webstuhl. Es sind jedoch die sieben Meter langen gefärbten Kettfäden, aus denen das Werk selbst besteht. Der Titel bezieht sich auf die Odyssee des griechischen Dichters Homer, in der Penelope ‚von hoffnungsvollen Verehrern belagert‘ wird, während sie darauf wartet, dass ihr Mann Odysseus aus dem Krieg nach Hause zurückkehrt. Penelope verspricht, dass sie sich für einen von ihnen entscheiden wird, wenn der Teppich, den sie webt, fertig ist. Was niemand weiß, ist, dass sie nachts den Teppich ausreißt und am nächsten Tag weiterwebt. Penelope verführt die Freier, wählt aber keinen von ihnen. Die Arbeit führte zu einem Wendepunkt für die Künstlerin Aurora Passero, als sie 2010 begann, in monumentalen Webformaten zu arbeiten.
(…) Die Werke entstehen oft für die Räume, in denen sie ausgestellt werden sollen. Die Beziehung zur Architektur bildet einen wichtigen Ausgangspunkt für den künstlerischen Prozess, in dem es vor allem darum geht, den Widerstand und die Balance zwischen Material, Form, Farbe, Raum und Inhalt zu erforschen.“
Bilder oben: der „Teppich“ von Künstlerin Aurora Passoro im Atrium des Hauses.
Und zum Projekt „The Future Library (2014–2114)“ von Katie Paterson erfährt man auf der Bibliotheks-Website ebenfalls Genaueres: „Das Kunstprojekt ‚Future Library‘ hat als Geschenk der Stadt Oslo einen eigenen, eigens gestalteten Raum im 5. Stock erhalten. Der Raum ist mit Holz verkleidet, das von den Bäumen stammt, die dort standen, wo heute der Future Library Forest wächst. Jedes Manuskript hat eine eigene Schublade, in der es bis 2114 liegen muss. Bis dahin sind die Fichten auf dem Pflanzfeld groß geworden und werden zu Papier, auf dem alle 100 Texte gedruckt werden.
Das Quiet Room in Deichman Bjørvika wurde von der Künstlerin Katie Paterson und den Architekten Atelier Oslo und Lundhagem entworfen.
The Future Library 2014-2114 (Future Library) ist ein auf ein Jahrhundert angelegtes Kunstwerk, das in Oslo spielt und von der Künstlerin Katie Paterson geschaffen wurde. In Oslo wurde ein Wald gepflanzt, der in hundert Jahren zu einer Buchanthologie werden wird. Die Texte wurden eigens für diesen Ort und diese Zeit von Autoren aus aller Welt geschrieben – von denen einige noch nicht geboren sind – und die Bücher werden auf Papier gedruckt, das aus den Bäumen hergestellt wird, die heute in Nordmarka wachsen. Das Geschriebene wird erst nach 2114 verlesen.
(…) Die Autorinnen und Autoren, die bisher Beiträge geleistet haben, sind Margaret Atwood (2014), David Mitchell (2015), Sjón (2016), Elif Shafak (2017), Han Kang (2018), Karl Ove Knausgård (2019), Ocean Vuong (2020) und Tsitsi Dangarembga (2021), Judith Schalansky (2022) und Valeria Luiselli (2023).
(…) Das Stille Zimmer ist die Ruhestätte für die Handschriften, die weltbekannte Autoren bis zum Jahr 2114 abliefern werden. Die Handschriften werden in kleinen Schubladen aufbewahrt, die man sehen kann, aber niemand darf die Texte lesen, bis sie auf Papier von den Bäumen gedruckt werden, die jetzt in Nordmarka wachsen und im Jahr 2114 veröffentlicht werden.
Der Ruheraum ist wunderschön gestaltet – die Bäume wurden in ca. 16.000 Stücke geschnitten. Jede einzelne von hundert Schubladen wird Jahr für Jahr mit den Manuskripten der Autoren gefüllt sein. In handgefertigten Tabletts aus Gussglas sind der Name des Autors und das Jahr, in dem er den Text eingereicht hat, eingeritzt. Die Handschriften sind kaum zu sehen, ein Hinweis durch ein gleißendes Licht. Die Schubladen sind in hundert Holzschichten eingebaut, wie Jahresringe, die sich entfalten und im Raum verteilt sind, eine pro ‚Ring‘.“
Bilder oben: das Projekt „Future Library“ mit Ruheraum; die Schuhe müssen draußen bleiben.